Wer ein „geeichtes“ Hygrometer sucht, will vor allem eines: Messwerte, auf die Verlass ist. Eine amtliche Eichung gibt es für Raumhygrometer allerdings nicht. Hier lesen Sie, was hinter dem Begriff im Handel steckt, wann ein Kalibrierschein sinnvoll ist und wie Sie zu Hause ohne Zertifikat zu genauen Werten kommen.
Kurz gesagt: nein, jedenfalls nicht im rechtlichen Sinn. Eine Eichung ist in Deutschland eine behördliche Prüfung nach dem Mess- und Eichgesetz. Sie gilt nur für Messgeräte, deren Messgröße die Mess- und Eichverordnung ausdrücklich erfasst – Waagen im Laden, Zapfsäulen, Strom- und Wasserzähler. Die relative Luftfeuchtigkeit steht nicht auf dieser Liste. Beim Feuchtegehalt nennt die Verordnung (§ 1) nur Getreide und Ölfrüchte, also Messgeräte, nach denen beim Getreidehandel abgerechnet wird.
Für ein Raumhygrometer gibt es deshalb weder eine Eichpflicht noch ein Eichamt, das es eicht. Was es gibt, ist die Kalibrierung: Ein Labor – oder Sie selbst zu Hause – vergleicht die Anzeige mit einem bekannten Referenzwert und hält fest, wie weit sie abweicht. Wenn ein Hygrometer als „geeicht“ angeboten wird, ist praktisch immer das gemeint.
Hinter dem Begriff stecken in der Praxis drei sehr unterschiedliche Dinge. Ein Haushaltsgerät ohne Nachweis nennt nur eine Herstellerangabe zur Genauigkeit. Ein Gerät mit Werkskalibrierschein – oft als „ISO-kalibriert“ beworben – wurde vom Hersteller oder Händler gegen eine Referenz geprüft, und die Werte stehen auf einem beigelegten Protokoll.
Den stärksten Nachweis liefert ein DAkkS-Kalibrierschein. Ihn stellt ein Kalibrierlabor aus, das die Deutsche Akkreditierungsstelle für die Messgröße Feuchte akkreditiert hat. Solche Geräte finden Sie im Fachhandel für Mess- und Labortechnik, nicht im Baumarkt.
| Stufe | Was belegt ist | Für wen |
|---|---|---|
| Haushaltsgerät | Herstellerangabe zur Genauigkeit, z. B. ±3 % rF – kein Prüfprotokoll | Wohnung, Keller, Schimmelvorbeugung |
| Werkskalibrierschein („ISO-kalibriert“) | Prüfprotokoll des Herstellers mit Abweichungen an festen Prüfpunkten | Anwender, die eine dokumentierte Ausgangsprüfung wollen |
| DAkkS-Kalibrierschein | Prüfung durch ein akkreditiertes Labor, mit Messunsicherheit, rückführbar auf nationale Normale | Betriebe mit Nachweispflicht (Qualitätsmanagement, Audits) |
Einen Kalibrierschein brauchen Sie dann, wenn jemand anderes Ihre Messung nachvollziehen können muss. Typisch ist ein Qualitätsmanagement, das für Prüfmittel eine rückführbare Kalibrierung vorschreibt. Das betrifft etwa Labore, Lager für feuchteempfindliche Ware, Archive oder Betriebe, deren Kunden im Audit einen Nachweis sehen wollen. Dort ist meist der DAkkS-Kalibrierschein gefragt, und zwar regelmäßig erneuert – denn ein Schein gilt nur für den Tag der Prüfung.
Für die Wohnung, das Kinderzimmer oder den Keller gilt das nicht. Dort entscheiden Sie selbst, ob die Luftfeuchtigkeit passt, und dafür reicht ein ordentliches Gerät, das Sie gelegentlich gegenprüfen.
Ein Kalibrierschein zeigt, wie stark das Gerät an bestimmten Prüfpunkten abgewichen ist, zum Beispiel bei 35, 50 und 80 % relativer Feuchte, und mit welcher Messunsicherheit das Labor selbst gemessen hat. Akkreditierte Labore arbeiten für Hygrometer nach der Richtlinie DKD-R 5-8 des Deutschen Kalibrierdienstes.
Was ein Schein nicht leistet: Er macht den Sensor nicht genauer, und er gilt nicht für immer. Feuchtesensoren altern und driften, besonders in sehr feuchter oder verschmutzter Luft. Ein Gerät mit ±3 % rF bleibt ein Gerät mit ±3 % rF – nur dass Sie seine Abweichung zum Prüfzeitpunkt schriftlich haben.
Den wichtigsten Teil einer Kalibrierung können Sie selbst erledigen. Beim Salztest legen Sie das Hygrometer zusammen mit einer feuchten Kochsalzpaste in einen luftdichten Behälter. Über gesättigter Kochsalzlösung stellt sich bei Raumtemperatur eine Luftfeuchtigkeit von rund 75 % ein. Zeigt Ihr Gerät nach etwa 8 bis 24 Stunden einen anderen Wert, kennen Sie seine Abweichung und können nachjustieren oder sie beim Ablesen berücksichtigen. Analoge Haarhygrometer lassen sich zusätzlich mit einem feuchten Tuch prüfen (Anzeige dann etwa 95–98 %).
Die vollständige Schritt-für-Schritt-Anleitung, weitere Salze für andere Referenzwerte und Tipps für digitale Geräte finden Sie auf unserer Seite Hygrometer kalibrieren.
Diese vier Punkte sagen mehr über die Messqualität aus als ein Werbebegriff auf der Verpackung.
Gute digitale Geräte geben etwa ±2–3 % rF an, einfache analoge oft ±5 % oder mehr. Diese Herstellerangabe sagt mehr als das Wort „geeicht“.
Achten Sie darauf, in welchem Feuchtebereich die Genauigkeit gilt – oft nur zwischen etwa 20 und 80 % rF. An den Rändern weichen fast alle Geräte stärker ab.
Analoge Geräte haben meist eine Stellschraube, manche App-Modelle eine Offset-Korrektur. Ohne beides notieren Sie die Abweichung aus dem Salztest als Korrekturwert.
Einen Kalibrierschein brauchen Sie nur, wenn jemand die Messung nachweisbar verlangt – etwa ein Qualitätsmanagement. Für die Wohnung ist er verzichtbar.
Die ideale Luftfeuchtigkeit in Wohnräumen liegt zwischen 40 % und 60 %. Darunter trocknen Schleimhäute und Haut leichter aus, darüber steigt das Schimmelrisiko. Ein Gerät mit ±2–3 % rF zeigt zuverlässig an, auf welcher Seite dieser Grenzen Sie liegen. Welches Modell zu Ihnen passt, lesen Sie in unserer Kaufberatung für Hygrometer.
| Raum | Ideale Temperatur | Ideale Luftfeuchtigkeit |
|---|---|---|
| Wohnzimmer | 20–22 °C | 40–60 % |
| Schlafzimmer | 16–18 °C | 40–60 % |
| Badezimmer | 20–23 °C | 50–70 % |
| Küche | 18–20 °C | 50–60 % |
| Arbeitszimmer | 20–22 °C | 40–60 % |
| Keller | 10–15 °C | 50–65 % |
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